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Daniel Comboni:
Übersicht über sein Leben und Werk
Kindheit und Jugend
Geboren 1831 in Limone am Gardasee, das damals zu Österreich gehörte. Seine Eltern waren Arbeiter in einer Zitronenpflanzung. Daniel war das vierte von acht Geschwistern. Alle außer ihm starben als Kinder oder Jugendliche. Nach einigen Grundschuljahren wurde er auf Vermittlung des Ortspfarrers in das Institut des Nicola Mazza in Verona aufgenommen.
Berufung zum Priester und Missionar
Comboni wurde von der Persönlichkeit Mazzas geprägt. Mazza hatte in Verona nach dem Ende der napoleonischen Kämpfe ein Institut mit Schulen für arme und verlassene Kinder gegründet. Dazu kam mit der Zeit ein Kreis von Studenten und Freunden, dessen geistiges Zentrum Mazza wurde. Im Institut befanden sich auch afrikanische Jungen und Mädchen, die aus der Sklaverei losgekauft worden waren. Im Umgang mit ihnen lernte Comboni die Realität des Sklavenhandels kennen und die Afrikaner schätzen.
Mazza selber war ein Begeisterter für die Mission. Ein Mitglied seines Instituts, Angelo Vinco, war Missionar in Afrika. In diesem Umfeld reifte in Comboni nicht nur der Entschluß, Priester zu werden, sondern auch der, selber in die Mission nach Afrika zu gehen.
Erster, gescheiterter, Versuch in Afrika
Auf Einladung des Leiters der Mission in Zentralafrika, des Slowenen Ignaz Knoblecher, ging 1857 eine Gruppe von sechs Priestern und Laienmitarbeitern aus dem Institut Mazza nach Afrika, unter ihnen Comboni. Ziel war Khartum und die Mission „Heilig Kreuz“ am oberen Weißen Nil in der Nähe des heutigen Juba. Sorge machte ihm der Widerstand seiner alten Eltern. Comboni traf vor der Ausreise mit Hilfe des Pfarrers von Limone noch Vorsorge für ihren Lebensunterhalt.
Nach einem Jahr waren drei von den sechs „Mazzianern“ gestorben und Comboni wurde im Januar 1859 schwerkrank zurückgerufen.
Auch Provikar Knoblecher starb in diesem Jahr mit 39 Jahren. Sein Nachfolger wurde Matthäus Kirchner aus Bamberg. Dieser erreichte, dass die Verantwortung für die Mission von den Franziskanern der Steiermark, Österreich, übernommen wurde. Von diesen starben aber innerhalb eines Jahres über 20 der insgesamt 50 Missionare und Mitarbeiter. 1863 wurde das Vikariat Zentralafrika aufgelöst und die Mission praktisch aufgegeben.
Ein neuer „Plan“
Comboni ließ das Schicksal der Mission in Afrika keine Ruhe. Er war Zeuge der Sklaverei geworden und ertrug es nicht, daß die Kirche sich aus der Verantwortung zurückzog. Außerdem begannen zu dieser Zeit Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in Europa sich zusehends mehr für Afrika zu interessieren. Es war Zeit zum Handeln; die Kirche durfte nicht abseits stehen. Im September 1864 erarbeitete er (Comboni spricht von einer Erleuchtung) einen „Plan“ für eine neue Form von Mission. Seine Grundzüge waren:
- Die Mission in Afrika darf nicht Sache von Nationen und von einzelnen Orden sein, sondern muß von der ganzen Kirche getragen werden.
- In Afrika muss das Evangelium von Afrikanern verkündet werden. Europäische Missionare sollen dazu Hilfestellung geben.
- Mission muss ganzheitliche Evangelisierung sein, muß menschliche Förderung und Befreiung aus jeder Art von Sklaverei einschließen.
Der „Plan“ Combonis wurde in verschiedene Sprachen übersetzt, auch ins Deutsche, und fand die ausdrückliche Zustimmung des Papstes.
Die Gründung von zwei Kongregationen
Die Vorstellung Combonis einer Nationen und Orden übergreifenden Missionsbewegung ließ sich nicht verwirklichen. Außerdem zog sich das Institut Mazza, dem Comboni angehörte, aus der Missionsarbeit zurück. Darum wurde Comboni von Rom aufgefordert, ein eigenes Institut zu gründen. So gründete er 1867 in Verona unter der Schirmherrschaft des dortigen Bischofs Kardinal Canossa das „Missionsinstitut für Afrika“ und einen Förderverein, das „Werk des Guten Hirten“. Es existiert heute noch unter dem Namen „Werk des Erlösers“. 1872 gründete er eine Kongregation für Missionsschwestern, die „Pie Madri della Nigrizia“, heute „Comboni-Missionsschwestern“.
Missionarische Bewusstseinsbildung in Europa
Auf zahlreichen Reisen in Europa mobilisierte Comboni die katholische Öffentlichkeit für Afrika . Zunächst stützte er sich mehr auf die Missionswerke in Frankreich (Marseilles, Lyon und Paris ) und später immer mehr auf Österreich und Deutschland. Wichtigste Stützen waren der Marienverein in Wien, der Ludwig-Missionsverein in München und der schon erwähnte Missionsverein in Köln. Comboni sprach auf dem Katholikentag in Mainz (1871) und war auch in Paderborn, Fulda, Dresden, München, Passau, Salzburg, Linz, Innsbruck und Brixen. In seinen Kontakten zu Regierungen und einflußreichen Persönlichkeiten prangerte er vor allem den damals immer noch blühenden Sklavenhandel an und forderte Maßnahmen zu seiner internationalen Ächtung.
Sein Wirken in Afrika
Zur Vorbereitung und Aklimatisierung der Missionare und als Alternative zur Erziehung junger Afrikaner in Europa eröffnete Comboni 1867 in Kairo zwei Institute: Zur Ausbildung afrikanischer Jungen und Mädchen und zur Vorbereitung der europäischen Missionare und Schwestern. Lehrerinnen und Lehrer, auch der Missionare, waren zum großen Teil Afrikaner.
1872 wurde die zehn Jahre vorher suspendierte Mission in Khartum wieder aufgenommen und Comboni zu ihrem Leiter bestimmt. 1977 wurde er zum Bischof von Khartum geweiht. Er gründete Niederlassungen in El Obeid, Berber, Delen (Dilling) und Malbes.
Das Leben Combonis war ein Pendeln zwischen den Gründungen in Verona, der Öffentlichkeitsarbeit in Europa, den Gründungen in Kairo und der eigentlichen Mission im Innern Afrikas mit dem Ausgangspunkt Khartum. Insgesamt verbrachte er fast zehn Jahre in Afrika. Sein Ziel waren Missionen weiter im Süden, im Gebiet der großen Seen, im heutigen Uganda, Kenia, Tansania usw. Der Tod vieler seiner Mitarbeiter, eine verheerende Hungersnot 1878 und sein eigener früher Tod am 10. Oktober 1881 mit 50 Jahren verhinderten es.
Weitere Entwicklung der Mission
Bald nach seinem Tod wurden alle Missionsstationen im Innern Afrikas, auch Khartum, durch den Aufstand des Mahdi (1882-99) zerstört. 15 Missionsschwestern und Missionare wurden gefangen und einige kamen dabei ums Leben. Erst 1899 konnte wieder mit der missionarischen Tätigkeit begonnen werden.
Unter dem dritten Nachfolger Combonis in Afrika, Bischof Franz Xaver Geyer (1902-21) aus Wieshof bei Regen in Niederbayern, fand die Mission eine große Ausbreitung im ganzen heutigen Sudan und im Norden Ugandas.
Weitere Entwicklung der Kongregation
Das aus Weltpriestern und Laienmitarbeitern bestehende „Missionsinstitut für Afrika“ wurde nach dem Tod Combonis 1885 in eine Ordensgemeinschaft mit Gelübden umgewandelt und bekam den Namen „Söhne von Heiligsten Herzen Jesu“ (Filii Sacratissimi Cordis Jesu) FSCJ. Für die Bewerber aus dem deutschen Sprachraum wurde 1895 die zweite Niederlassung in Europa im deutschsprachigen Brixen errichtet.
Als Folge des Ersten Weltkriegs (Brixen kam zu Italien, deutsche und österreichische Missionare waren im damals englischen Sudan nicht erwünscht) kam es 1923 zu einer Teilung in eine deutschsprachige und eine italienische Kongregation. Der deutschsprachigen Kongregation wurde ein Missionsgebiet in Südafrika zugewiesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer gegenseitigen Annäherung. 1979 vereinigten sich beide Kongregationen wieder und gaben sich den neuen Namen „Comboni-Missionare vom Herzen Jesu“ (Missionari Comboniani Cordis Jesu) MCCJ. 1988 wurden die ersten Niederlassungen in Asien gegründet, auf den Philippinen und in China.
Comboni-Missionare und Missionsschwestern heute (Stand 2003)
| Comboni-Missionare: | |
|---|---|
| Mitglieder insgesamt | 1802 |
| Davon sind: Priester | 1290 |
| Brudermissionare | 335 |
| Theologiestudenten | 177 |
| Novizen | 113 |
| Sie stammen aus: | |
| Italien | 944 |
| Sonst. Europa und Nordamerika | 359 |
| Afrika | 203 |
| Lateinamerika | 287 |
| Asien | 12 |
| Sie sind tätig in: | |
| Afrika | 785 |
| Amerika | 483 |
| Europa | 505 |
| Asien | 29 |
| Comboni-Schwestern | |
| Mitglieder insgesamt | 1791 |
| davon mit zeitlichen Gelübden | 114 |
| Sie stammen aus | |
| Italien | 1304 |
| Sonst. Europa und Nordamerika | 149 |
| Afrika | 183 |
| Amerika | 154 |
| Asien | 4 |
| Sie sind tätig in | |
| Afrika | 757 |
| Amerika | 179 |
| Europa | 772 |
| Asien | 78 |
| Novizinnen und Postulantinnen | 105 |
Die deutschsprachige Provinz hat Niederlassungen in:
| Deutschland: | Ellwangen (2), Bamberg, Nürnberg, Mellatz bei Lindau, Neumarkt/Opf. und Halle. |
| Österreich: | Innsbruck und Graz-Messendorf. |
| Südtirol (Italien): | Milland bei Brixen. |
Aus dem deutschen Sprachraum stammen 108 Mitglieder. Von ihnen leben und arbeiten 70 in der deutschsprachigen Provinz. Der Sitz des Provinzoberen ist Bamberg. Die Provinzverwaltung und die Missionsprokura sind in Ellwangen. Der Generalobere des Ordens hat seinen Sitz in Rom.
Neue Aufgaben heute
Die frühere Einteilung in „Heimat“ und „Mission“, beziehungsweise in ein „christliches Europa“ und ein „Missionsland Afrika“, entspricht nicht mehr dem heutigen Verständnis von Mission. In so gut wie allen früheren „Missionsländern“ steht die Kirche heute unter der Verantwortung einheimischer Bischöfe. Ausländische Missionare sind Mitarbeiter in den Ortskirchen.
Aber auch diese Kirchen müssen über ihren nationalen oder ethnischen Horizont hinaussehen, sich als Teil einer universalen Kirche verstehen und Brücken schlagen zwischen Völkern und Kulturen. Darum sehen die Comboni-Missionare heute eine ihrer Aufgaben darin, auch in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern das missionarische Bewusstsein zu wecken und junge Menschen zu ermutigen, als Missionare in andere Länder zu gehen.
Auf der anderen Seite ist auch Europa „Missionsland“ geworden. In einer zusehends säkularisierten Gesellschaft ist mehr gefragt, als nur die „Betreuung“ der katholischen Kerngemeinde. Hier sehen sich missionierende Gemeinschaften gefordert.
Wie geht es weiter
Der Nachwuchs aus dem deutschen Sprachraum und in Europa überhaupt ist in den letzten Jahren spärlich geworden. Dafür nimmt die Zahl der Mitglieder aus den ehemaligen Missionsländern zu. Etwa 70 Prozent derer, die in den letzten Jahren in die Kongregation eingetreten sind, stammen aus Afrika Lateinamerika und Asien.
Anschriften der Hausgemeinschaften in Deutschland, Österreich in Südtirol:
Bamberg
Obere Karolinenstraße 7
D - 96049 Bamberg
Tel.: 0951 - 952210;
bamberg@comboni.de
Ellwangen
Postfach 1252;
D - 73479 Ellwangen
Tel.: 07961 - 90550;
ellwangen@comboni.de
Ellwangen - Josefstal
Postfach 1252;
D - 73479 Ellwangen
Tel.: 07961 - 90270;
josefstal@comboni.de
Nürnberg
Sielstraße 3
D – 90429 Nürnberg
Tel.: 0911 – 3185420;
nuernberg@comboni.de
Halle
Körnerstraße 19;
D - 06114 Halle;
Tel.: 0345 – 5222346;
halle@comboni.de
Neumarkt/Opf.
Mariahilfstr. 43;
D - 92304 Neumarkt;
Tel.: 09181 - 32312;
neumarkt@comboni.de
Mellatz
Mellatz 39,
D - 88145 Opfenbach;
Tel.: 08381 - 92160;
mellatz@comboni.de
Graz-Messendorf
Autalerstr. 3;
A - 8042 Graz-St. Peter;
Tel.: 0316 - 402835;
messendorf@comboni.at
Innsbruck
Amraserseestr. 6b;
A - 6020 Innsbruck;
Tel.: 0512 - 342540;
innsbruck@comboni.at
Brixen-Milland
Postfach 221,
I - 39042 Brixen (BZ)
Tel.: 0472 - 836119;
milland@comboni.de
Comboni-Missionsschwestern
Kesslerplatz 2
90489 Nürnberg
Tel.: 0911 – 5301515;
comboni.schwestern@comboni.de
Internet: http://www.comboni.de
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