(Platzhalter) Sr. Jude Veronica Njeri
Maria Schneider P. Herbert Gimpl
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist (Äthiopien) afrikanischer Mann
Frau aus Kibremengist/Äthiopien junge  Frau aus Peru
Rudi Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

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Dankgottesdienst in der Basilika Ellwangen am 12.10.2003, 18.00Uhr,

aus Anlass der Heiligsprechung von Bischof Daniel Comboni

Jes 61,1-3; Joh 10,11-16

Vor einer Woche hat Papst Johannes Paul II drei Missionare, Arnold Janssen, Josef Freinademetz und Daniel Comboni heilig gesprochen. Ich darf den Comboni-Missionaren, den Comboni-Missionsschwestern, den Freundeskreisen und Förderern, ja uns allen ganz herzlich zur Heiligsprechung Daniel Combonis gratulieren. Können wir es schon ganz glauben?

Im Namen der Kirche einen Menschen heilig zu sprechen bedeutet: Wir sind im Glauben davon überzeugt, dass er sein ewiges Ziel bei Gott erreicht hat und uns Vorbild christlichen Lebens sein kann. Den Heiligen kommt ein eigener Kalendertag, ein besonderes Gedenken im Stundengebet und in der Eucharistie zu, sie können Patrone von Kirchen werden, ihre Grabstätte genießt besondere Aufmerksamkeit.

Wenn man so will, kann man in den ersten Jahrhunderten der Kirche schon von Afrika-Mission reden, aber eine ganz neue Phase und Dimension der Afrika-Mission hat eben mit Daniel Comboni begonnen. Daniel Comboni ist der Pionier der heutigen christlichen Kirchen in Afrika.

1831 in Limone am Gardasee geboren, mobilisierte Comboni auf zahlreichen Reisen durch ganz Europa die katholische Öffentlichkeit für die Mission in Afrika. Etwa zehn Jahre verbrachte er selbst in Afrika. 1877 wurde er Bischof von Khartum, der Hauptstadt des Sudan. Fünf Jahre später, am 10. Oktober 1881, starb er dort an Malaria. "Wenn der Papst, die Propaganda-Abteilung und alle Bischöfe der Welt gegenteiliger Meinung wären, würde ich ein Jahr lang nachgeben; und dann würde ich einfach einen neuen Plan vorlegen. Aber den Gedanken an Afrika aufgeben: Niemals!“ Diese Worte Combonis scheinen auf den ersten Blick nicht zu einem katholischen Heiligen zu passen. Aber so spricht ein Mensch, der zutiefst überzeugt ist von seiner Berufung und der bereit ist, seine ganze Kraft und seinen ganzen Mut in seine Berufung zu legen.

Meine Schwestern und Brüder, ist das nicht ermutigend und schön, dass es keinen Kreis, kein Gremium gibt, das so viele und grundverschiedene Menschen in sich vereinigt wie die Gemeinschaft der Heiligen. Die Heiligen stehen für die bunte Geschichte des Heiligen Geistes. Es ist gut und es ist ein Zeichen für die Geschichtlichkeit unserer Kirche – sie ist eben unterwegs zum Reich Gottes, aber nicht identisch mit dem Reich Gottes – dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Akzente gesetzt hat für das, was sie unter Heiligkeit versteht.

Der Papst hat drei Missionare heilig gesprochen. Ob der Papst damit nicht auch etwas über die Gestalt und die Gestaltungsmöglichkeiten heutigen Christentums ausgesagt hat? Vielleicht dies, dass die europäische Gestalt des Christentums, die Ausprägung seiner Theologie und seiner gelebten Praxis nicht die allein verbindliche Gestalt für alle Kulturen ist. Normativ ist das Evangelium Jesu Christi, nicht aber sein jeweiliger zeitgeschichtlicher Ausdruck. Der heilige Daniel Comboni bringt es zur Anschauung: Ein Christentum, das sich tatsächlich einer Kultur, etwa der afrikanischen, öffnet, wird von eben dieser Kultur auch selber lernen und in einem Prozess der Bildung wie auch des eigenen Gebildet-Werdens etwas von dieser Kultur abbilden. Auch für Daniel Comboni war es ein Lern-Prozess, nach dem Scheitern seiner ersten Afrikareise zu begreifen, dass die eigentlichen Träger der Mission die Afrikaner selbst sein sollen und sein werden.

Liebe Schwestern und Brüder! Zu jeder Zeit ist die Kirche herausgefordert, ihre Botschaft in die jeweilige Kultur und in die jeweilige Zeit hinein neu auszusagen. Das war und das ist kein leichter Übersetzungsvorgang, soll doch die Substanz des Glaubens bewahrt, aber gleichzeitig so ausgesagt werden, dass sie Menschen anzusprechen und anzuziehen vermag. Innerlich angesprochen aber werden Menschen nur, wenn sie in ihrem je eigenen Denkhorizont, mehr noch: in ihrer je eigenen Emotionalität abgeholt und ernst genommen werden. Dieser Vorgang der Inkulturation der christlichen Botschaft stellt sich heute weltweit als Bedingung von Mission, als Bedingung jeder Evangelisierung dar – nicht zuletzt auch bei uns selbst. Der tiefste Grund hierfür liegt darin, dass die Menschen in ihren Herzen von der Botschaft des Evangeliums erreicht werden sollen. Die "Zustimmung des Herzens“ ist nach dem Epoche machenden päpstlichen Schreiben "Evangelii nuntiandi“ entscheidend für jede missionarische und evangelisierende Verkündigung.

Daniel Comboni, liebe Schwestern und Brüder, hat von dieser "Zustimmung des Herzens“ gewusst. Seine Spiritualität ist geprägt von der Verehrung des Herzens Jesu. Das spiegelt sich bis heute im Namen der Kongregation, die sich "Comboni-Missionare vom Herzen Jesu“ nennt. Meine Schwestern und Brüder, wir sind heute nüchterner geworden und tun uns schwer mit der Verehrung des Herzens Jesu. Was uns aber geblieben ist, und dafür gilt es neue Formen zu entwickeln, ist die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Christus- und Gottesbeziehung. "Herzensbeziehung“ drückte sich in der Herz-Jesu-Frömmigkeit aus; der Sache nach ist dies nichts von gestern, meint doch das aus "Cor“ und "dare“ zusammengesetzte "Credere“ = "Glauben“: sein Herz geben und verschenken, sich dem anderen öffnen und sich an ihn weggeben. Der heilige Daniel Comboni hat sein Herz an Afrika verschenkt. Die Herz-Jesu-Frömmigkeit Combonis und seiner Gemeinschaft hat bis heute einen aktuellen Kern. Denn das ist und bleibt eine offene Frage, wie wir heute – symbolgerecht und zeitgerecht – hier in Europa und in anderen Kulturen "Göttliche Dinge“ darstellen, dass sie sich nicht in der Plattheit eindeutiger Ausdrücklichkeit vergegenständlichen und auch nicht zu humanistischer Moral verdünnen.

In der Lesung aus dem Buch Jesaja haben wir eine Stelle gehört, die Jesus dann auf sich selbst deutet – gleichsam die Programmatik zu Beginn seines öffentlichen Auftretens: "Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine Frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Die Botschaft will konkret werden in heilender und befreiender Praxis. Zu den Armen, zu den Gefangenen, zu denen, die leiden, weiß sich Jesus gesandt.

Sein Leben hat eine Richtung – es ist die Richtung zu denen, die in Not sind, die aus sich heraus kaum leben können. Was Jesus will, kommt dort ans Ziel, wo Menschen freier werden, aufatmen, aufstehen, wo sie neu sehen und hören lernen. Auf diese Weise ist Jesus der Gute Hirte, der die Seinen kennt und den die Seinen kennen. Doch Jesu Sendung, sein Hingehen zu den Menschen und sein Nachgehen, wenn sie sich verirrt haben oder leiden, steht unter einem ganz entscheidenden Vorzeichen:

"Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt.“ Weil der Geist Gottes, Gott selbst auf Jesus ruht, weil Jesus in seinem Innern ganz ausgefüllt ist mit Gottes Geist, deshalb und allein deshalb kann er auch den Menschen befreiend nahe sein. Dieser ganzheitliche befreiende Aspekt der Verkündigung und Missionierung ist Daniel Comboni während seines Lebens immer tiefer aufgegangen. Es durfte nicht wahr sein, dass die Menschen des Schwarzen Kontinents, deren Not er selber erlebt hatte, und die zu Tausenden Opfer der Sklaverei wurden, auch von der Kirche verlassen würden. Heilend und befreiend – wie anders, wie sonst konnte Evangelium konkret werden und spürbar froh machende Botschaft sein.

"Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt“ – Das war das Vorzeichen der Sendung Jesu, das ist auch das entscheidende Vorzeichen für das, was Heiligkeit bedeutet und ausmacht. In den Heiligen wird Gottes Geist sichtbar! Wir haben uns zu sehr angewöhnt, die Heiligen von ihrer ethischen Leistung her zu betrachten. Das ist und bleibt richtig. Doch voll erkennt man das Wesen der Heiligkeit erst, wenn man in der Person und im Leben der Heiligen das Wirken von Gottes Geist, ja Gottes Geist selbst entdeckt. Heiligkeit hat zuallererst mit Gottesbegegnung, mit Gottesbegeisterung und Gotteseinwurzelung zu tun. Unsere Heiligen sind lebendige Zeichen dafür, dass Gottes Geist in jeder geschichtlichen Epoche lebendig ist! Das bedeutet nicht, dass sie spirituelle Akrobaten sind; Heilige sind immer Kinder ihrer Zeit, auch mit Schwächen, aber vielleicht zielgerichteter als wir, offener in ihrer Bereitschaft, sich jeder Verwandlungskraft des Geistes Gottes auszusetzen.

Heiligkeit wächst aus der Gnade Gottes heraus. Diese Gnade Gottes ist in ihrer Mitte der Heilige Geist, der Gottes Gegenwart in dieser Welt sichtbar und leuchtend werden lässt. Und so ist es nur folgerichtig, wenn es im eucharistischen Hochgebet zu den Festen der Heiligen heißt: "Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst du das Werk deiner Gnade.“

Wir Christen brauchen heute Ermutigung, und ich finde, es ist wahrhaftig eine Ermutigung, einer Kirche anzugehören, die solche Menschen wie den heiligen Daniel Comboni in ihren Reihen hat. Comboni macht nicht zuletzt Mut, mit Widerständen, mit Schwierigkeiten zu kämpfen und nicht sofort klein beizugeben. ...

Sein Werk, das von vielen Rückschlägen auch begleitet war, zieht bis heute bewundernswerte Kreise. Was Sie, liebe Comboni-Missionare und Comboni-Missionsschwestern, heute in der Mission und in der missionarischen Bewusstseinsbildung leisten, zeigt, dass das Wehen des Geistes Gottes auch in der Gegenwart nicht aufgehört hat. Der lange Atem des Geistes Gottes hat bewirkt, dass in so gut wie allen früheren so genannten "Missionsländern“ die Kirche heute unter der Verantwortung einheimischer Bischöfe steht. Der Nachwuchs der Comboni-Missionare und der Comboni-Missionsschwestern aus dem deutschen Sprachraum und in Europa überhaupt ist in den letzten Jahren spärlicher geworden. Dafür nimmt die Zahl der Mitglieder aus den ehemaligen Missionsländern erfreulich und beeindruckend zu!

Auch wir hier in Europa, in unserer säkularisierten Gesellschaft, sind heute Missionsland. Christ sein hat seine Selbstverständlichkeit verloren. Doch – haben wir nicht noch mehr verloren? Vielerorts hat man den Eindruck, als würden wir in unseren Breiten dem christlichen Gott, seiner Botschaft und den kirchlichen Berufsträgern nicht mehr viel zutrauen. Was in uns mitteleuropäischen Christen geschwunden ist, ist das Vertrauen in die Botschaft des Evangeliums, das Vertrauen in uns selbst als Träger dieser Frohbotschaft. Vielleicht tut uns hier der Blick auf unsere Heiligen, der Blick auch auf Daniel Comboni gut. Gerade die Heiligen geben lebendig Zeugnis davon, dass auch in der Kirche immer mehr steckt, als bisher zur Entfaltung kommen konnte. Die Geschichte der Kirche geht weiter, weil der Geist Gottes sie weiter vorantreiben wird. Es mag Zeiten geben, in denen es schwerer ist, auf diese Erkenntnis zu vertrauen, aber sie ist deswegen noch nicht widerlegt. Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf seine Menschen ist nicht abgeschlossen, sie geht weiter!

Dr. Johannes Kreidler

Weihbischof

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