(Platzhalter) Sr. Assunta Arraghie
Maria Schneider P. Herbert Gimpl
Logo der Comboni-Missionare der DSP Stefanie Dandolo
Jugendliche aus Kibremengist (Äthiopien) Katechist aus Afrika
Frau aus Kibremengist/Äthiopien junge  Frau aus Peru
Albert Klingler Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

P. Josef Gerner mit Kriegsopfer
Pater Gerner mit einem Jungen, dem Finger Lippen und Ohren abgeschnitten wurden.
Pater Gerner berichtet von Norduganda

Seit 18 Jahren terrorisieren die Rebellen der so genannten „Lord Resistance Army“ (LRA) die Bevölkerung vom Stamm der Acholi in Norduganda. In dem Gebiet sind Comboni-Missionare tätig, unter ihnen Pater Josef Gerner aus Meckenhausen in Mittelfranken. Er ist Leiter der Missionsstation Kitgum, einer der größten der Gegend, mit einem Krankenhaus von 250 Betten.

Von Josef Schneider

Während dieser 18 Jahre Krieg sind rund 25000 bis 30000 Kinder gewaltsam entführt worden. In den letzten beiden Jahren allein 8000. Bei Nacht werden Dörfer umstellt und Kinder, meist zwischen acht und 17 Jahren, gefesselt und wie Sklaven abgeführt. „Ein Kind, das schlapp macht, wird erschlagen“, so Pater Gerner, „gewöhnlich von einem Neuling, um dem die Unschuld zu nehmen.“ Sie werden zu Kindersoldaten gemacht, werden gedrillt, knallhart zuzuschlagen und zu töten, gedrillt zu Raubzügen gegen die eigene Bevölkerung.

Die Weltöffentlichkeit schweigt

„Unglaublich, dass die Weltöffentlichkeit dazu schweigt“, empört sich Pater Gerner. „Kinder, die überleben, denen die Flucht gelingt, sind schwer traumatisiert und in Gefahr, wieder gefangen zu werden.“ Dann werden sie meist getötet oder schwer verstümmelt. Viele suchen darum Zuflucht in der Mission. Im vergangenen Jahr waren nachts zeitweise 700 bis 900 Kinder auf der Missionsstation auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Probleme mit der Versorgung, auch die sanitären Verhältnisse kann man sich vorstellen. Dazu die Angst, dass die Rebellen kommen und die Kinder mitnehmen.

„Auch für uns ist es gefährlich“, sagt der Comboni-Missionar. Einige Missionsstationen wurden bereits ausgeplündert. Zwei Missionare kamen in den vergangenen beiden Jahren ums Leben, 14 seit Beginn des Konflikts. „Wir selber haben bisher Glück gehabt.“

Wahlplakat für Museveni
Wahlplakat für Museveni von 1996. Er versprach „Frieden, Einheit, Demokratie und Modernisierung“. Vieles blieb er schuldig.
Ursachen des Konflikts

Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni kam nach Bürgerkriegswirren 1986 an die Macht. Er stand für Reformen, Wiederaufbau und die Zusammenarbeit mit den Industrieländern. Für manche gilt er als Hoffnungsträger Afrikas. Vielleicht hat der Süden Ugandas in seiner Regierungszeit gewonnen. Doch das ist nur eine Seite. Nicht nur dass Museveni eine zweifelhafte Rolle im Kongo spielt, wo seine Armee Beutezüge macht. Innerhalb Ugandas gibt es einen Gegensatz zwischen dem bevorzugten Süden und dem Norden, vor allem dem Volk der Acholi. Diese sind auf Museveni schlecht zu sprechen – und er auf sie.

Stammesgegensätze führten dazu, dass sich unter den Acholi eine Rebellion gegen Museveni gebildet hat. An ihre Spitze stellte sich ein gewisser Joseph Kony, „ein Psychopath, ein religiöser Irrer“, so Pater Gerner. Der Konflikt wurde immer grausamer und richtete sich im Laufe der Zeit immer mehr gegen die eigene Bevölkerung, weil sie an seinem Kreuzzug gegen Museveni nicht mitmacht.

Museveni hätte den Konflikt, so Gerner, schon längst beenden können, wenn er wollte. Es ist ihm wahrscheinlich gar nicht Unrecht, wenn sich die von ihm ungeliebten Acholi selbst zerfleischen.

überfallener Lastwagen in Uganda
Ein Lastwagen, der in einen Hinterhalt der LRA geraten war. Die ständigen Überfälle auf der Straße machen eine Hilfe sehr schwierig.
Bevölkerung in Lager gepfercht

„Seit Mitte vergangenen Jahres ist fast die ganze Bevölkerung, über eine Million Menschen, in großen Lagern zusammengepfercht“, berichtet Pater Gerner. Es sind so genannte „Schutzdörfer“, mit je 15000 bis 30000 Menschen. Ihre Felder dürfen und können die Menschen nicht mehr bestellen, nicht einmal ernten können sie. Dabei ist Nord-uganda ein fruchtbares Land. Frauen, die versucht haben, die Ernte einzubringen, wurden von den Rebellen entweder erschlagen oder furchtbar verprügelt.

Die Regierung gibt vor, diese Camps zu beschützen. Realität ist jedoch: Die Lager werden nicht selten brutal überfallen. So wurden in einer Nacht 300 Menschen ermordet und die Häuser niedergebrannt. Kein Wunder, dass die Leute Angst haben.

Von Lagern in der Nähe kommen deshalb jede Nacht bis zu 7000 Menschen mit Hab und Gut auf das Gelände der Pfarrei Kitgum, um im Hof, unter den Vordächern des Krankenhauses und in den Schulen zu schlafen.

Die Versorgung der Menschen sei schwierig, weil auch die Straßen völlig unsicher sind. Überfälle auf Autos sind an der Tagesordnung. Die Fahrzeuge werden verbrannt, die Insassen umgebracht.

„Das Volk verarmt total“, berichtet der Missionar: „Die Gesundheitslage ist schlimm, vor allem die der Kinder.“ Aids breitet sich nicht zuletzt wegen der Situation in den Sammellagern und wegen der Ernährungslage sehr schnell aus. Eltern sterben, die Kinder bleiben allein zurück.

Taufunterricht mit P. Josef Gerner
Pater Gerner mit Jugendlichen, die sich auf die Taufe vorbereiten, in der Kirche von Kitgum.
„Sehr viele Taufbewerber“

Es sei sehr schwer, angesichts eines solchen Krieges Hoffnung auszustrahlen. Diese könne nur von der frohen Botschaft herkommen. „Die Person Jesu Christi interessiert.“ Froh zeigt sich Pater Gerner daher über den „enormen Zuwachs“ in den christlichen Gemeinden und über „überfüllte Kirchen“. Es gibt sehr viele Taufbewerber, vor allem unter Jugendlichen und Schulkindern, aber auch unter älteren Menschen. Großes Interesse bestehe an den Kursen kirchlicher Weiterbildung. Die Kirche stellt eine echte Alternative dar zwischen einer untätigen und unfähigen Regierung und dem unsinnigen, unerklärlichen Terror.