(Platzhalter) Sr. Jude Veronica Njeri
Maria Schneider P. Herbert Gimpl
Logo der Comboni-Missionare der DSP Nina Kerker
Jugendliche aus Kibremengist/Äthiopien afrikanischer Mann
Frau aus Kibremengist/Äthiopien Indio-Junge
Albert Klingler Mädchen aus Tabankulu (Südafrika)
(Platzhalter) Indigena-Frau

Helene Dingler
Helene Dingler in Ellwangen beim Verkauf der Blumengestecke, mit dem sie die Kosten für den Versand des Verbandsmaterials finanziert.
16 intensive und bewegende Tage erlebt

Helene Dingler aus Königsbronn berichtet über ihre Eindrücke in Kitgum, Uganda

Seit Jahren schickt Helene Dingler aus Königsbronn bei Heidenheim wöchentlich Pakete mit Verbandsmaterial ins Krankenhaus von Kitgum in Uganda, wo Pater Josef Gerner tätig ist. Das Material bekommt sie von Krankenhäusern und Herstellerfirmen. Die Kosten für den Versand verdient sich Frau Dingler durch den Verkauf von Blumengestecken. Im Februar hatte sie zum ersten Mal Gelegenheit, selbst dorthin zu fahren, wohin ihre Spenden gehen. Sie begleitete Dr. Theresia Pellio, die sechs Jahre lang, von 1996 bis 2002, das Krankenhaus in Kitgum leitete.

Gleich am zweiten Tag gingen wir in der Hauptstadt Kampala auf eine Bank, um die 5000 Euro Spendengelder, die ich aus Königsbronn mitgebracht hatte, in die Landeswährung umzuwechseln. Da der größte ugandische Geldschein lediglich zehn Euro entspricht, bin ich mit einem Rucksack, vollgepackt bis oben, aus der Bank marschiert!

Dr. Theresia Pellio
Die deutsche Ärztin Dr. Theresia Pellio kam als Urlauberin nach Kitgum in Uganda – und operierte täglich mehrere Stunden.
Die 16 Tage in der Missionsstation waren intensiv und sehr bewegend. Mein erster Eindruck: Es ist alles viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Station besteht aus mehreren Schulen und Internaten, dem Krankenhaus mit seinen rund 15 Gebäuden, Unterkünften, Werkstätten, einer Ölmühle für das Mahlen von Sonnenblumen, einer Schweinezuchtanlage, einem Kindergarten, dem Bildungszentrum, einer Schwesternstation mit schwarzen und weißen Combonischwestern. Die weißen Schwestern kümmern sich um die Lepraversorgung in den umliegenden Dörfern.

Gleich in der ersten Nacht wurden wir durch Schüsse in nächster Nähe geweckt. Pater Josef nennt dies „Kleine Nachtmusik“. Auf der Mission hat Pater Josef acht bis zehn Jungs beschäftigt. Entlaufene Rebellen, die nicht in ihre Dörfer heim können, da sie sonst umgebracht würden. Sie erzählten ihre Schicksale. Unvorstellbar! Kinder wurden zu Mördern gemacht, mit Schlägen und der Drohung, selbst erschlagen zu werden. Ein zwölfjähriger Junge musste mit ansehen, wie sein Vater zerstückelt wurde. Viele zwangsrekrutierte Rebellen versuchen zu fliehen, die meisten kommen dabei um. Auch der Koch von Pater Gerner, Charles, hat ein solches Schicksal hinter sich. Er war Rebellensoldat in einem Lager, in dem auch entführte junge Frauen lebten. Als einige von ihnen flohen, sollten die Übrigen zur Vergeltung umgebracht werden. Charles nahm seine Machete, zeigte auf Esther, ein Mädchen, das er gern hatte, und sagte: „Ich nehme die hier.“ Er zerrte sie in den Busch. Sie schrie zum Schein fürchterlich, Charles ließ sie laufen, beschmierte sich mit Blut, kam zurück und sagte: „Erledigt.“ Nach ihrer Flucht heirateten die beiden. Charles und ich kochten öfters zusammen. Er lernte, wie man Kartoffelsalat und Spätzle macht.

Helene Dingler
Frau Dingler packt in Kitgum die Pakete aus, die sie vor ihrer Abreise in Königsbronn abgeschickt hatte.
Patienten in Kitgum
Große und kleine Patienten warten schon darauf, damit verbunden und verpflastert zu werden.
Gleich am ersten Tag in Kitgum holten wir 17 Päckchen, gefüllt vor allem mit Verbandsmaterial, die ich geschickt hatte, von der Post ab und füllten damit die Krankenhausregale. Diese waren ziemlich leer.

Der Gang durch das Krankenhaus ist beeindruckend. Zirka 15 Gebäude mit Vordächern und Innenhöfen bilden die unterschiedlichen Abteilungen: Unterernährte, Frauenklinik, Aids-Center, Kinderstation, Wöchnerinnen, Gesundheitszentrum, Apotheke . In den lnnenhöfen halten sich tagsüber Patienten, die das Bett verlassen können, mit ihren Familienangehörigen auf. Mütter sitzen mit ihren Babys unter einem großen Baum, unterernährte Kinder mit Pflastern von den Infusionen, auch Schussverletzte. Eine große Feuerstelle mit Herd ist vorhanden. Jeder versorgt seinen angehörigen Patienten selbst.

Die Krankenstationen sind sauber, jedoch nicht steril, da ja die Familienangehörigen ums Bett herum und unter dem Bett mitwohnen! Die Kinderstation ist ganz mit bunten Wandbildern bemalt. Dr. Theresia Pallio verbrachte fast jeden Tag ein paar Stunden im Krankenhaus und operierte. Am letzten Tag spendeten wir noch Blut, da das Blutauto aus Gulu nicht kam. In der Nacht zuvor waren Minen gelegt worden.

Am dritten Tag trafen wir im Krankenhaus einen jungen weißen Arzt, der für den Deutschen Entwicklungsdienst im Süden Ugandas als Chirurg arbeitet und für 14 Tage nach Kitgum zur Weiterbildung geschickt wurde. Er stellte sich uns in breitestem Schwäbisch vor: „lben der Veit aus Gmünd“. Zwei Jahre war Dr. Veit Busam als Chirurg im Heidenheimer Krankenhaus. Die Welt ist klein!

Abends war Veit mit uns bei Pater Josef auf der Mission zum Essen und verbrachte dort seinen Feierabend. Auch er war sehr betroffen als er sah, was täglich passierte. Wir waren froh an ihm und er an uns.

Kitgum am Abend
Abends kommen Menschen aus der Umgebung, um im Hof der Mission und des Krankenhauses vor Überfällen sicher zu sein.
Nachts dient das Krankenhaus noch einem weiteren Zweck: als Übernachtungsmöglichkeit für 3000 bis 5000 Menschen! Bei Einbruch der Dämmerung zieht ein ganzer Strom von Menschen zur Mission mit riesigen Bündeln auf dem Kopf. Sie legen sich unter Vordächer und in den Innenhof, um vor den Rebellen sicher zu sein. Es ist unvorstellbar, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Überall liegen Bündel mit zwei, drei kleinen Kindern in einer alten Decke. Man musste aufpassen, dass man nicht drauf trat.

Erschütternd sind die Einzelschicksale, denen man im Krankenhaus hautnah begegnet.

Die 16-jährige Victoria, eine entführte und zwangsrekrutierte Rebellensoldatin, wurde von mehreren Granatsplittern schwer verwundet, als Regierungsmilizen vom Hubschrauber aus ein Rebellenlager bombardierten. Sie lag drei Tage unter Leichen, als die Soldaten kamen, um alles, was noch lebte, zu erschießen. Ein Soldat, der aus dem selben Dorf stammte wie das Mädchen, erkannte sie und brachte sie ins Krankenhaus, wo sie von Dr. Theresia Pallio operiert wurde.

P. Josef Gerner
Pater Josef Gerner aus Meckenhausen bei Hilpoltstein ist seit sieben Jahren Leiter der Mission von Kitgum in Uganda.
Geoffrey, ebenfalls 16, wurden von den LRA-Rebellen Ohren, Lippen und Finger abgehackt! Seine abgetrennten Ohren steckten die Rebellen, in einem Drohbrief eingewickelt, in Geoffreys Tasche. Sein Vater brachte ihn auf dem Fahrrad ins Krankenhaus. Auch er wurde wieder einigermaßen hergestellt.

Mehrmals besuchten wir die Camps in der Umgebung. Im Pagimo-Camp leben zirka 18000 Menschen in 3000 Hütten. Dicht an dicht, auf engstem Raum, unter unmenschlichen Bedingungen. Lediglich mit zwei Brunnen, ohne genügend Lebensmittel, ohne ärztliche Versorgung. Ohne Arbeit, ohne Aufgabe, ohne Perspektive. Ich war sprachlos, schockiert, als ich die Lager sah. Jeden Mittwoch verteilt Pater Josef auf der Mission Lebensmittel für Lagerinsassen. Eine andere Hilfsorganisation setzt sich ebenfalls mit Lebensmittelspenden ein. Doch das alles ist viel zu wenig.

Die Menschen waren vom Regierungsmilitär aus ihren Dörfern vertrieben worden, die Dörfer dem Erdboden gleich gemacht, damit die Rebellen dort weder Unterschlupf noch Verpflegung finden sollten. Als wir nach Kitgum flogen, sahen wir aus der Luft ein solches Camp und die versteppte Einöde, in der früher die Dörfer standen und Felder waren. Nun war dort nichts mehr. 

All die Grausamkeiten, das Morden, die Unmenschlichkeiten mag man gar nicht glauben, wenn man in diesem schönen Land Momente der Ruhe, der Entspannung genießen darf. Wir saßen entspannt und gemütlich vor der Hütte, die Kinder tollten herum. Es war eine schöne, friedliche, idyllische Stimmung. Für kurze Zeit konnte man diese schrecklichen Bilder vergessen.