P. Hubert Grabmann
Pater Hubert Grabmann unter dem Nomadenvolk der Pokot in Kenia.

Kenia

Pater Hubert Grabmann aus Kenia

Pater Hubert Grabmann lebt und arbeitet unter dem Volk der Pokot in Kenia. Es ist, ähnlich wie die Mundari aus dem vorigen Beitrag, ein Nomadenvolk. Auch hier stehen die Missionare vor großen Herausforderungen. Die überkommenen Traditionen, etwa in Bezug auf Familie, entsprechen so gar nicht unseren christlichen Werten.

Karwoche und Ostern erinnern daran, dass Jesus durch Leid und Tod in ein neues Leben eingegangen ist. Die Menschen in Pokot wissen, was Entbehrung und Leid ist, aber sie wissen auch entsprechend zu feiern, wenn Leid vorübergegangen ist und ein freudiges Ereignis den Tag verändert. Jeder Tag hat seine eigenen Mühen aber auch seine eigenen kleinen Auferstehungen, Momente, die Entbehrungen in den Hintergrund rücken. Die Pokot planen nicht weit voraus, da es ja sowieso anders kommt. Der Augenblick zählt, und wenn es schwierig wird, weiß man eben auch, dass Gott da ist.

Das Leben geht hier in Kacheliba seine gewohnten Bahnen. Neben den pastoralen Belangen der Pfarrei haben wir uns mehr und mehr auch darauf eingelassen, soziale Probleme – und hier vor allem die der Korruption und Ungerechtigkeit – anzugehen, die unser Land hier so sehr lähmen. Verantwortliche vom kleinsten Polizisten bis zum höchsten Beamten im Land sind bestechlich. Für viele Menschen hier scheint es der einzige Weg zu sein, ans Ziel zu gelangen.

So haben sich viele Leute ein Motorrad gekauft und benutzen es als „Taxi“, wobei sie bis zu drei Passagiere mit Gepäck darauf unterbringen. Natürlich ohne Führerschein. Die Polizei kassiert schön ab und macht die Augen zu. Bei einem Unfall gibt es keine Entschädigung.

In den Schulen verschwindet das Essen für die Schüler, doch die Schulleiter werden von ihren Vorgesetzten gedeckt, die Abrechnung am Schuljahresende stimmt hinten und vorne nicht. Die Prüfer kommen, kassieren 100 Euro und drehen alles, wie sie es wollen.

Mädchenbeschneidung ist gesetzlich verboten, ebenso die Verheiratung von Minderjährigen, aber die Ortsvorsteher wollen die ungebildeten Eltern nicht verärgern und machen die Augen zu, auch wenn Mädchen verstümmelt werden und sterben.

Unzählige solcher Fälle könnte ich aufzählen, und man scheint machtlos zu sein; fast wie am Karfreitag! Aber wir haben kleine Schritte unternommen, kleine Zeichen gesetzt, die Hoffnung wachsen lassen: Wir hatten ein Seminar für die Schulleiter, wo wir ihnen richtige Abrechnungsmethoden beigebracht haben, und ihnen nahelegten, dass sie christliche Werte in der Schule praktizieren und auch vorleben müssen. Wir gehen in die Schulen, wo Essen verschwindet. Die Eltern sind oft Analphabeten und können den Erklärungen der Schulleiter kaum folgen. Wir kommen und überprüfen und haben Sitzungen mit den Verantwortlichen und melden es der Polizei.

Vor einem Monat ist ein Mädchen nicht zurück in die Internatsschule gekommen. Der Vater wollte die 14-Jährige, die dieses Jahr ihren Hauptschulabschluss hätte machen sollen, verheiraten, damit er Kühe bekommt, mit denen er selber dann eine dritte Frau hätte nehmen können. Pater Filip ist dem nachgegangen und hat das Mädchen mit Hilfe der Polizei zurück an die Schule gebracht. Der Vater des Mädchens sitzt selber im Schulbeirat eines Gymnasiums – welch ein Hohn!

Manche der kleinen christlichen Gemeinschaften ergreifen Initiativen gegen die Beschneidung der Mädchen und reden mit den Ältesten in den Dörfern, wo Beschneidung noch stark praktiziert wird. Die Initiativen zeigen Erfolge.

Wie sagt doch ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn viele kleinen Leute, an vielen kleinen Orten viele kleinen Dinge tun, werden sie das Angesicht der Erde erneuern.“