![]() |
||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||
|
|
zurück zur Übersicht Pater Carlos Rodríguez (47) ist ein spanischer Comboni-Missionar, der während der letzten langen Jahre tief in die Menschenrechtsarbeit in Norduganda verwickelt war. Er schreibt:: Kampala, 28. Dezember 2006 Acholi braucht keinen neuen Krieg um Land!Die vergangenen Feiertage befand ich mich in Gulu und feierte Weihnachten in den Lagern der internen Flüchtlinge. Wie war das doch? Hatte es nicht im vergangenen Oktober geheißen, dass diese Lager bis zum 31. Dezember geschlossen und alle wieder zu Hause wären? Nun, nicht ganz! Komm ins Acholiland und sieh selbst, dass die meisten Menschen immer noch in den Lagern für interne Flüchtlinge leben, selbst wenn eine hoffnungsvolle, schrittweise Bewegung in Gang gekommen ist, aufs eigene Land zurückzukehren. Letzteres wird noch dauern, wie das mit komplizierten Angelegenheiten gewöhnlich so ist. Jetzt, da dies geschieht, beginnt nämlich die Landfrage besonders in Erscheinung zu treten. Und dies mit vielen Streitfragen, wie neuerliche Ereignisse gezeigt haben. Als ich zum ersten Mal ins Acholi-Gebiet kam, hatten die Menschen zwei Quellen für ihren Lebensunterhalt: Vieh und Land. Zu Kriegsbeginn, 1986-1987, haben die Menschen die erste davon verloren, als ihr ganzes Vieh von Rebellen, NRA-Soldaten und Karimojong-Viehdieben geplündert wurde. Seither bot das Land die einzige Möglichkeit für den Lebensunterhalt. Wenn Menschen jedoch von einer einzigen Art des Lebensunterhaltes abhängen, befinden sie sich in einer ziemlich unausgeglichenen Lage. Die Zeit über, während der ich in der Pastoralarbeit auf dem Land eingesetzt war, lernte ich, dass es während eines heiklen Disputs um Land, in den die katholische Mission verwickelt ist, für mich als Ausländer besser wäre, mich zurückzunehmen und die Leute vor Ort sowie die örtlichen Kirchenvertreter die Dinge auf ihre Art und Weise angehen zu lassen: Ich wollte nicht beschuldigt werden, den Leuten ihre Einkommensmöglichkeiten wegzunehmen. Ab 1996 wurden die Acholi in Vertriebenenlager untergebracht und das Land ihrer Vorfahren war gleichzeitig immer weiter weg: Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Angst in den Menschen ständig wuchs, das Land eines Tages wirklich zu verlieren, so wie es mit ihrem Vieh geschehen war. Die Vertreibungen nahmen ständig zu. Im Jahr 2005 waren schließlich alle Menschen vom Volk der Acholi vertrieben. Eine Ausnahme bildeten die ganz wenigen, die in den Städten von Gulu und Kitgum lebten. Und dennoch – als der Juba-Friedensprozess im Juli 2006 begann, ja sogar bereits zuvor, gab es zum erstenmal innerhalb von 20 Jahren Anzeichen dafür, dass die Dinge sich bessern könnten. Eine gute Anzahl von Außenlagern wurden gegründet und tausende Menschen hatten zum ersten Mal innerhalb von vielen Jahren wieder Zugang zu ihrem ursprünglichen Land. Obgleich viele Acholi sich noch fragen, was geschehen würde, wenn die Friedensgespräche scheiterten, kann gegenwärtig leicht ein wachsendes Vertrauen in die Regierung wahrgenommen werden. Man sieht diese, wie sie die extra Meile in ihren Bemühungen geht, um das Kony-Problem ein für alle Male und auf friedliche Weise zu lösen. Bei zunehmendem Vertrauen gehen mehr und mehr Lagerbewohner nach Hause zurück, viele davon ohne den Weg über die Rückführungslager zu nehmen. Sofern die Friedensgespräche vorwärts kommen, wird die Zahl der Menschen, die auf ihr ursprüngliches Land zurückkehren, ein Thermometer sein, mit dem ihr Vertrauen in den Friedensprozess gemessen werden kann. Nach all dem, was die Menschen während all dieser Jahre durchmachen mussten, kann nicht geleugnet werden, dass sie gewisse Ängste bezüglich ihres Landes haben – obgleich die größte Angst darin besteht, dass die LRA zurückkommen und sie stören könnte. Wie auch immer, ich habe niemanden gesehen, der seinen Speer geschärft hätte, um ihn gegen irgendwelche mögliche Investoren zu benutzen. Ich befürchte, dass einige diesbezügliche Behauptungen neuerdings nur alte Stereotypen zum Leben erwecken könnten: nämlich dass die Acholi gewalttätig und aggressiv wären. Abgesehen davon, dass dieses sehr unfair wäre, könnte solches nur ihre Probleme vermehren. Was letzte Woche in Nakasongola geschah, als einige Acholi das Ziel des Ärgers ihrer Nachbarn wurden, ist eine Warnung, die ernst zu nehmen ist. Es muss für uns alle eine Lektion sein, Feststellungen in verantwortlicher Weise zu machen und dabei immer Versöhnung zu suchen. Tausende von Acholi leben friedlich in vielen anderen Kreisen von Uganda und verdienen dort ehrlich ihren Lebensunterhalt. Sie haben ein Recht darauf, harmonisch mit ihren Nachbarn zu leben. Es wäre kein schlechter Gedanke, wenn inzwischen die Regierung ein zeitlich festgelegtes Moratorium bezüglich des Landkaufs in den bisherigen Kriegsgebieten einführen würde, um den intern Vertriebenen die Rückkehr auf ihr Land mit genügend Vertrauen zu ermöglichen. Wenn Menschen gerade beginnen, ihr Eigentum unter schmerzlichen Erfahrungen wieder in Besitz zu nehmen, sollte man ihnen alle Möglichkeiten und alles Vertrauen zukommen lassen. Und unter allen Umständen sollte niemand in einen neuen Krieg hineingezogen werden, wenn der andere, welcher so lange gedauert hat, gerade ein für alle Male begraben wird. Pater Carlos Rodríguez zurück zur Übersicht |
|||||||||||||||||||