(Platzhalter) junge afrikanische Frau
Maria Schneider P. Jakob Wellenzohn
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Jugendliche aus Kibremengist/─thiopien afrikanischer Mann
Frau aus Kibremengist/─thiopien Junge aus Quito / Ecuador
Daniel Junge aus Kibremengist
(Platzhalter) Indigena-Frau

Juni 2006

Armutszeugnis

P. Herbert Gimpl in Arequipa
Pater Herbert Gimpl mit armen Leuten seiner Pfarrei
Pater Herbert Gimpl aus Pölling bei Neumarkt in der Oberpfalz ist Pfarrer in einer Stadtrandpfarrei in Arequipa, Peru. Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns folgender Bericht:

Es war kaum zu glauben, wie das Gesetz Nº 28275 mit dem Titel „Zusatzgesetz zum Schuldenerlass und zur Umstrukturierung von Darlehen der Bank für Baumaterialien“ Unruhe in unsere Stadtrandpfarrei brachte. In einem Paragraphen steht, dass auch den Darlehensnehmern in „extremer Armut“ die Schuld erlassen werden kann. Gemäß den Ausführungsbestimmungen sollen die Pfarreien ein „Armutszertifikat“ ausstellen.

Weit über 100 Personen unserer Pfarrei wollten ein solches Zertifikat. Eine ganze Woche lang war ich mit unserer Sozialassistentin Ana Maria unterwegs, um die Häuser der Antragsteller zu besuchen. Die meisten leben in tiefem Elend. Die Frau Juana Condori hat einen kleinen Laden, mit dem sie sich und am Leben erhält. – In diesem Fall dürfte man kein „Armutszertifikat“ ausstellen. Im Gespräch mit ihr kam zum Vorschein, dass ihr Mann vor einigen Jahren ermordet worden war. Sein Tod hat sie in eine seelische und materielle Elendssituation gebracht, die sie bis heute nicht überwinden konnte. Wäre ihr Mann als Hauptdarlehensnehmer eingetragen gewesen, würde die Schuld erlassen, aber da ihr Name an erster Stelle steht, … Manchmal kam ich mir wie ein Voyeur vor, wenn ich in so manches der Häuser kam, um „Armut“ zu konstatieren.

Nun heißt es, wenn jemand Wasser oder Licht hat, darf kein „Armutszertifikat“ ausgestellt werden. Die meisten haben durch Verzugszinsen eine Schuld, die sie nie begleichen können. Die Regierung und die Politiker haben den „Kampf gegen die Armut“ auf ihre Fahnen geschrieben. Das Monatsgehalt eines einzigen Abgeordneten würde ausreichen, um die Darlehen von fünf und mehr Familien zu tilgen. Den Politikern, und nicht den Armen, müsste man das „Armutszeugnis“ ausstellen.